Bilanz 2009

Es ist Winter - Jahresende. Höchste Zeit, wieder einmal, nach langem, eine Bilanz zu verfassen. Habe mir soeben den letzten Rückblick vom Frühling 2008 gegenwärtig gemacht und gestaunt! Wenn ich meine Bilanzen lese, dann entsteht ein Mensch vor meinem geistigen Auge, der mich verblüffen lässt, der mich staunen macht... bin das ich?  Ja! Scheint so! Selten nehme ich mich selber so klar war, wie dann, wenn ich es schaffe, in diese spezielle, vertiefte Stimmung zu kommen; wenn ich es schaffe, den Blick weit und gross werden zu lassen. Verbunden mit meinem innersten Kern entsteht ein Netz, das mich umspannt. Verknüpfungen, Verbindungen, lose Enden und feste Knoten. Ich in der Welt. Wo stehe ich? Was war? Was wird sein? Was hat sich verändert? Welche Wünsche und Träume haben sich erfüllt und welche nicht? Welchen Weg ging ich? Dies hin und wieder ganz stark ins helle Licht zu rücken, ist wie Reinemachen, ist wie Aufräumen und Aussortieren.  Zurück soll Klarheit und Bewusstsein bleiben. Basis für all die weiteren Schritte, die zu gehen sind.


Nun aber erstmal den Blick zurück! Seit dem Frühling 2008 - der letzten Bilanz - hat sich viel getan. Vor allem natürlich, was das Haus betrifft. Immerhin sind mittlerweile ja auch fast zwei Jahre vergangen. Das heisst, ich gehe hier meinen dritten Winter an. Habe zwei Sommer erlebt, zwei Frühlinge und drei mal den Herbst. Diese verschiedenen Jahreszeiten immer wieder auf's neue zu erleben ist ein ganz spezieller Prozess.  Da ich vorher doch recht lange unterwex war, scheint es mir, als ob es eine Ewigkeit seither ist, dass ich einen festen Standort habe und die Dinge sich um mich herum verändern. Es wirkt auf alle Fälle neu und spannend. Und auch noch mehr... dieses Gefühl der Beständigkeit, zusammen mit dem vermehrten In-Beziehung-stehen zu den Dingen, das alles zu vertiefen, fühlt sich gut an. Und es ist das, was ich zuweilen auf Reisen vermisst habe. Mir ist aber auch bewusst, dass ich nach wie vor vergleiche. Es ist nicht so, dass es ein klarer Fall ist oder dass ich sagen könnte, so, das hier, das ist es und das Reisen hat sich erledigt. Nein. Ich vergleiche und spüre nach wie vor dieser starken und eigentlich sogar krassen Veränderung in meinem Leben nach. Ich habe immer noch einige Freunde, die so unterwex sind, wie ich das vorher war, und vermutlich ist es auch daher noch so präsent in meinem Leben.

 

Aber schliesslich fühle ich mich am richtigen Ort. Der Entscheid, sesshaft zu werden fühlt sich immer stimmiger an.  Ich kenne die Ecken hier immer besser und gewöhne mich sehr an dieses Leben. Ich stelle dies vor allem fest, wenn ich wieder mal einen Besuch in der Schweiz abstatte. Anfangs, wenn ich auf dem Weg in die Schweiz mit dem Auto den Jura überquerte und dann die ersten Berge in der Schweiz sehen konnte, dann weiter und vorbei am wunderschönen Neuenburger See fuhr und dann später den Blick auf den Pilatus und die Rigi hatte, dann dachte ich jeweils, wie schön doch die Schweiz ist und wie bescheiden und eher langweilig sich die Bresse dagegen ausnimmt! Ich schätzte es sehr, all meine Freunde wieder zu sehen, mit ihnen etwas unternehmen zu können und von den vielen Angeboten in der Schweiz profitieren zu können! Doch seit einiger Zeit verändert sich auch dies. Natürlich freue ich mich immer sehr auf meine Familie und meine Freunde. Auch die Schönheit der Schweiz sehe ich nach wie vor. Aber ich sehe auch all das, was mir in der Schweiz fehlt, was ich mittlerweile in der Bresse kennengelernt habe und nicht mehr missen möchte. Ich habe mich an vieles bereits soweit gewöhnt, dass ich jeweils ein paar Tage brauche, um mich in der Schweiz wieder wohler zu fühlen. Und je länger je mehr spüre ich, dass mir die Umgebung in der Bresse doch sehr zusagt. Natürlich hätte ich auch hier gern mehr Freunde, mehr Abwechslung, mehr kulturelle Angebote, manchmal auch alles viel näher und nicht so weit weg. Aber mir ist natürlich klar, dass das nicht alles zusammen geht. Jede Ecke hat so seine Vor- und Nachteile, logisch. Und vielleicht bin ich halt ein gar krasses Gewohnheitstier. Aber ich bin mir sicher, dass sich mancher hier, so ganz alleine, wie ich lebe, nicht wohl fühlen würde. Dass er die Weite unerträglich finden würde, die Berge vermissen und sich einsam fühlen würde; dass er die vielfältigen Kontakte, die ein Leben auf relativ engem Raum mit sich bringen, vermissen würde und dann bestimmt vieles auch auf der materiellen Ebene. Die Lebenskosten hier in Frankreich sind ja mittlerweile nicht mehr wirklich tiefer als in der Schweiz, abgesehen von der Miete. Es ist ähnlich teuer wie in der Schweiz, mit dem Unterschied, dass das Angebot in der Schweiz grösser ist. Und auch, so meine ich, dass die Gewährleistung von Qualität eher da ist. .

 

Im diesem Jahr habe ich etwas wichtiges gelernt. Ich habe gelernt, meine Kräfte besser einzuschätzen (allerdings ist das noch immer verbesserungswürdig!); ich habe gelernt, Dinge mal liegen zu lassen, ohne mir deswegen Vorwürfe zu machen oder mich innerlich weiter damit zu plagen. (Ein Satz, den ich im Frühling 2008 schrieb: Einerseits spüre ich die Befriedigung der erledigten Arbeiten, andererseits fühle ich mich manchmal auch ein wenig müde von der permanenten "Anwesenheit der Baustelle". Es gibt immer etwas zu tun und wenn man an etwas dran ist, dann sieht man gleichzeitig, wo überall wieder neue Aufgaben entstehen. Das Land ist so gross, dass wenn ich an einem Ende mit etwas anfange und irgendwann am anderen Ende angelangt bin, quasi wieder von vorne anfangen kann. Das ist gewöhnungsbedürftig! Allerdings will ich hier nicht jammern. Ich stelle einfach fest, dass Arbeit im Garten kaum ein Ende kennt. Ausser im Winter natürlich, wenn die Natur sich zurückgezogen hat und auf den Frühling wartet. Aber sogar dann lassen mir die Wühlmäuse keine Ruhe und ich renn mit Kübel und Schaufel über das Land und sammle die lockere Erde auf!) Ich habe mittlerweile realisiert, dass ich hier immer viel zu tun haben werde, aber dass mir diese Dinge Spass machen und nicht zur reinen "Arbeit" verkommen sollen. Und das geht nur, wenn ich mir genügend Zeit für etwas nehme. Das zu lernen halfen mir meine Gallensteine und mittlerweile auch die Hepatitis-C-Therapie. Die Gallensteine plagten mich schon im Sommer 2008, raubten Energie und liessen mich ab und zu richtig schlapp und demotiviert sein. Nachdem ich sie im Sommer 2009 losgeworden war, hatte ich den Beweis, dass meine "Schwäche" vor allem mit diesen Steinchen zu tun hatte. Bis zum Beginn der Virus-Therapie Ende Oktober fühlte ich mich fit wie schon lange nicht mehr. Und diese Fitness beschränkt sich nicht nur auf körperliches Wohlbefinden sondern auch auf das geistige. Wenn man körperlich angeschlagen ist, dann schlägt das auf die Psyche. Das war mir vorher nicht so klar. Jetzt weiss ich es.  Und es ist gut habe ich dies bereits vor der Virus-Therapie erfahren. Denn diese lässt mich auch schön schlapp aussehen! Aber durch die Erfahrungen mit den Gallensteinen bin ich ein wenig vorbereitet und versuche mich nicht so schnell in die Irre führen zu lassen, wenn ich einfach nicht mag.  Ausserdem weiss ich, dass diese Zeit vorbei geht. Es ist eine absehbare Zeit und ich werde mich irgendwie damit arrangieren. Ende Januar wird sich herausstellen, ob der Virus nach den ersten drei Monaten auf Null ist und die Therapie weitere neun Monate durchgezogen werden kann oder ob ich abbrechen muss. Es wird sich also dann herausstellen, ob ich mich auf ein schlappes 2010 einstellen soll oder auf ein aktives. Dann allerdings mit einem Virus, der wohl früher oder später seinen Tribut fordern wird.

 

Ein knappes Jahr hatte ich eine Beziehung. Sie war zu wenig stimmig für mich und so beendete ich sie im Sommer 2009. Auch dabei habe ich einiges gelernt. Ich habe gelernt, dass Dominik zwar "anwesend" ist, aber auch nicht so stark meine "Ansprüche" an einen anderen Menschen prägt, wie ich befürchtet hatte. Ich glaube sogar eher, dass mit der Erfahrung mit Dominik sich der Anspruch an die Menschen  eher relativiert hat. Nun gut, ich glaube, je älter man wird, um so grundsätzlich anspruchsvoller wird man; man weiss auch immer besser, wer man ist, was man will oder eben nicht. Aber ich glaube behaupten zu können, dass ich durch die nahe Erfahrung des Todes auch näher zu mir gekommen bin. Früher hätte ich in der Beziehung mit Walter noch lange nach Lösungen und Wege für ein gemeinsames Leben gesucht. Hätte versucht, ihn oder mich oder die Situation zu verändern. Heute empfinde ich die Unstimmigkeit und bin oder war offensichtlich nicht gewillt, sie hin zu nehmen. Vielleicht hat das ganze ja mit etwas ganz anderem zu tun. Wer weiss. Was weiss ich? Was weiss ich denn schon! Nicht viel, das ist sicher! Aber vielleicht das eine: Heute würde ich in erster Linie einen Partner suchen, der zu meinem Leben und in meine Welt passt. Ich kann viele Menschen lieben, mögen, schätzen, aber nur bestimmte Menschen passen an meine Seite.

 

Von meinem Naturell her bin ich ein "suchender" Mensch. Aber seit Dominiks Tod suche ich nicht mehr so sehr wie das früher der Fall war. Seit dieser Erfahrung habe ich ein Gefühl von Angekommen-Sein in mir. Es ist nicht immer gleich stark präsent, aber es gehört nun zu mir. Ich mag dieses Gefühl. Es lässt mich einiges anders sehen als früher.

 

Mein Haus hier in der Bresse bedeutet mir inzwischen sehr viel. Mir scheint, ich habe mir damit etwas erfüllt, was grösser ist als ich selbst - eine Art Meilenstein. Jemand, der an Karma glaubt, würde sagen, es ist Karma. Jemand, der an das Universelle glaubt, würde sagen, Schicksal! Ich finde nicht wirklich die passenden Worte für die Gefühle, die ich habe. Es scheint mir Bestimmung. Und es scheint mir, es fängt erst richtig an; es scheint mir, alles ist möglich und ich bin auf dem richtigen Weg; es scheint mir, ich habe die ersten Schritte getan, der Rest ergibt sich und die Konsequenzen oder Optionen fühlen sich sehr stimmig an. Ich fühle, ich bin auf meinem Weg, auch wenn ich das Ziel nicht kenne. Manchmal empfinde ich Demut angesichts dieses Hauses und dieser Ecke. Ich hier und jetzt! Wie wundervoll! Was könnte es Besseres geben? Ich bin gefordert, zu wissen, dass ich Herrscher meines Universums bin, dass ich es in der Hand habe, verantwortungsvoll mit diesem Geschenk umzugehen und die Konsequenzen zu tragen! Was auch immer gefordert werden mag! Doch da ich mich Eins fühle mit den Dingen, die sind, so werden auch die Dinge, die sein werden, stimmig sein und mich in die richtige Richtung weiterführen. Es ist, wie wenn ich eine Basis geschaffen hätte, oder wie wenn ich ein Soll erfüllt hätte. Alles Weitere wird sich ergeben! Hoppla! Das hört sich jetzt ziemlich heftig an. Aber egal. Diese Seiten, diese Bilanzen sind in erster Linie für mich selbst da. Wer damit etwas anfangen kann, um so besser! Wer nicht, ist auch egal!

 

Es gibt noch so einige Dinge, über die ich mir noch nicht im Klaren bin. Dinge, die immer mal wieder in mein Bewusstsein rutschen ohne dass ich sie umsetze. Ich suche nach einer Umsetzung, die fern der üblichen Regeln bestehen, doch das ist sehr schwierig und erfordert viel Mut! Will sagen, das Leben ist noch lange nicht zu Ende. Es wartet noch so viel auf mich, auf euch! Alles ist möglich! Und niemand hat dazu eine Antwort oder weiss den Weg, nur wir selbst!

 

So, in diesem Sinne wünsche ich allen, die diesen Bericht gelesen haben, viel Kraft und Mut für ihren eigenen Weg und viel Vertrauen in euch selbst!
Nehmt euch die Zeit für euch selbst und für alle jene, die euch brauchen!

Nun aber erstmal den Blick zurück! Seit dem Frühling 2008 - der letzten Bilanz - hat sich viel getan. Vor allem natürlich, was das Haus betrifft. Immerhin sind mittlerweile ja auch fast zwei Jahre vergangen. Das heisst, ich gehe hier meinen dritten Winter an. Habe zwei Sommer erlebt, zwei Frühlinge und drei mal den Herbst. Diese verschiedenen Jahreszeiten immer wieder auf's neue zu erleben ist ein ganz spezieller Prozess.  Da ich vorher doch recht lange unterwex war, scheint es mir, als ob es eine Ewigkeit seither ist, dass ich einen festen Standort habe und die Dinge sich um mich herum verändern. Es wirkt auf alle Fälle neu und spannend. Und auch noch mehr... dieses Gefühl der Beständigkeit, zusammen mit dem vermehrten In-Beziehung-stehen zu den Dingen, das alles zu vertiefen, fühlt sich gut an. Und es ist das, was ich zuweilen auf Reisen vermisst habe. Mir ist aber auch bewusst, dass ich nach wie vor vergleiche. Es ist nicht so, dass es ein klarer Fall ist oder dass ich sagen könnte, so, das hier, das ist es und das Reisen hat sich erledigt. Nein. Ich vergleiche und spüre nach wie vor dieser starken und eigentlich sogar krassen Veränderung in meinem Leben nach. Ich habe immer noch einige Freunde, die so unterwex sind, wie ich das vorher war, und vermutlich ist es auch daher noch so präsent in meinem Leben.

 

Aber schliesslich fühle ich mich am richtigen Ort. Der Entscheid, sesshaft zu werden fühlt sich immer stimmiger an.  Ich kenne die Ecken hier immer besser und gewöhne mich sehr an dieses Leben. Ich stelle dies vor allem fest, wenn ich wieder mal einen Besuch in der Schweiz abstatte. Anfangs, wenn ich auf dem Weg in die Schweiz mit dem Auto den Jura überquerte und dann die ersten Berge in der Schweiz sehen konnte, dann weiter und vorbei am wunderschönen Neuenburger See fuhr und dann später den Blick auf den Pilatus und die Rigi hatte, dann dachte ich jeweils, wie schön doch die Schweiz ist und wie bescheiden und eher langweilig sich die Bresse dagegen ausnimmt! Ich schätzte es sehr, all meine Freunde wieder zu sehen, mit ihnen etwas unternehmen zu können und von den vielen Angeboten in der Schweiz profitieren zu können! Doch seit einiger Zeit verändert sich auch dies. Natürlich freue ich mich immer sehr auf meine Familie und meine Freunde. Auch die Schönheit der Schweiz sehe ich nach wie vor. Aber ich sehe auch all das, was mir in der Schweiz fehlt, was ich mittlerweile in der Bresse kennengelernt habe und nicht mehr missen möchte. Ich habe mich an vieles bereits soweit gewöhnt, dass ich jeweils ein paar Tage brauche, um mich in der Schweiz wieder wohler zu fühlen. Und je länger je mehr spüre ich, dass mir die Umgebung in der Bresse doch sehr zusagt. Natürlich hätte ich auch hier gern mehr Freunde, mehr Abwechslung, mehr kulturelle Angebote, manchmal auch alles viel näher und nicht so weit weg. Aber mir ist natürlich klar, dass das nicht alles zusammen geht. Jede Ecke hat so seine Vor- und Nachteile, logisch. Und vielleicht bin ich halt ein gar krasses Gewohnheitstier. Aber ich bin mir sicher, dass sich mancher hier, so ganz alleine, wie ich lebe, nicht wohl fühlen würde. Dass er die Weite unerträglich finden würde, die Berge vermissen und sich einsam fühlen würde; dass er die vielfältigen Kontakte, die ein Leben auf relativ engem Raum mit sich bringen, vermissen würde und dann bestimmt vieles auch auf der materiellen Ebene. Die Lebenskosten hier in Frankreich sind ja mittlerweile nicht mehr wirklich tiefer als in der Schweiz, abgesehen von der Miete. Es ist ähnlich teuer wie in der Schweiz, mit dem Unterschied, dass das Angebot in der Schweiz grösser ist. Und auch, so meine ich, dass die Gewährleistung von Qualität eher da ist. .

 

Im diesem Jahr habe ich etwas wichtiges gelernt. Ich habe gelernt, meine Kräfte besser einzuschätzen (allerdings ist das noch immer verbesserungswürdig!); ich habe gelernt, Dinge mal liegen zu lassen, ohne mir deswegen Vorwürfe zu machen oder mich innerlich weiter damit zu plagen. (Ein Satz, den ich im Frühling 2008 schrieb: Einerseits spüre ich die Befriedigung der erledigten Arbeiten, andererseits fühle ich mich manchmal auch ein wenig müde von der permanenten "Anwesenheit der Baustelle". Es gibt immer etwas zu tun und wenn man an etwas dran ist, dann sieht man gleichzeitig, wo überall wieder neue Aufgaben entstehen. Das Land ist so gross, dass wenn ich an einem Ende mit etwas anfange und irgendwann am anderen Ende angelangt bin, quasi wieder von vorne anfangen kann. Das ist gewöhnungsbedürftig! Allerdings will ich hier nicht jammern. Ich stelle einfach fest, dass Arbeit im Garten kaum ein Ende kennt. Ausser im Winter natürlich, wenn die Natur sich zurückgezogen hat und auf den Frühling wartet. Aber sogar dann lassen mir die Wühlmäuse keine Ruhe und ich renn mit Kübel und Schaufel über das Land und sammle die lockere Erde auf!) Ich habe mittlerweile realisiert, dass ich hier immer viel zu tun haben werde, aber dass mir diese Dinge Spass machen und nicht zur reinen "Arbeit" verkommen sollen. Und das geht nur, wenn ich mir genügend Zeit für etwas nehme. Das zu lernen halfen mir meine Gallensteine und mittlerweile auch die Hepatitis-C-Therapie. Die Gallensteine plagten mich schon im Sommer 2008, raubten Energie und liessen mich ab und zu richtig schlapp und demotiviert sein. Nachdem ich sie im Sommer 2009 losgeworden war, hatte ich den Beweis, dass meine "Schwäche" vor allem mit diesen Steinchen zu tun hatte. Bis zum Beginn der Virus-Therapie Ende Oktober fühlte ich mich fit wie schon lange nicht mehr. Und diese Fitness beschränkt sich nicht nur auf körperliches Wohlbefinden sondern auch auf das geistige. Wenn man körperlich angeschlagen ist, dann schlägt das auf die Psyche. Das war mir vorher nicht so klar. Jetzt weiss ich es.  Und es ist gut habe ich dies bereits vor der Virus-Therapie erfahren. Denn diese lässt mich auch schön schlapp aussehen! Aber durch die Erfahrungen mit den Gallensteinen bin ich ein wenig vorbereitet und versuche mich nicht so schnell in die Irre führen zu lassen, wenn ich einfach nicht mag.  Ausserdem weiss ich, dass diese Zeit vorbei geht. Es ist eine absehbare Zeit und ich werde mich irgendwie damit arrangieren. Ende Januar wird sich herausstellen, ob der Virus nach den ersten drei Monaten auf Null ist und die Therapie weitere neun Monate durchgezogen werden kann oder ob ich abbrechen muss. Es wird sich also dann herausstellen, ob ich mich auf ein schlappes 2010 einstellen soll oder auf ein aktives. Dann allerdings mit einem Virus, der wohl früher oder später seinen Tribut fordern wird.

 

Ein knappes Jahr hatte ich eine Beziehung. Sie war zu wenig stimmig für mich und so beendete ich sie im Sommer 2009. Auch dabei habe ich einiges gelernt. Ich habe gelernt, dass Dominik zwar "anwesend" ist, aber auch nicht so stark meine "Ansprüche" an einen anderen Menschen prägt, wie ich befürchtet hatte. Ich glaube sogar eher, dass mit der Erfahrung mit Dominik sich der Anspruch an die Menschen  eher relativiert hat. Nun gut, ich glaube, je älter man wird, um so grundsätzlich anspruchsvoller wird man; man weiss auch immer besser, wer man ist, was man will oder eben nicht. Aber ich glaube behaupten zu können, dass ich durch die nahe Erfahrung des Todes auch näher zu mir gekommen bin. Früher hätte ich in der Beziehung mit Walter noch lange nach Lösungen und Wege für ein gemeinsames Leben gesucht. Hätte versucht, ihn oder mich oder die Situation zu verändern. Heute empfinde ich die Unstimmigkeit und bin oder war offensichtlich nicht gewillt, sie hin zu nehmen. Vielleicht hat das ganze ja mit etwas ganz anderem zu tun. Wer weiss. Was weiss ich? Was weiss ich denn schon! Nicht viel, das ist sicher! Aber vielleicht das eine: Heute würde ich in erster Linie einen Partner suchen, der zu meinem Leben und in meine Welt passt. Ich kann viele Menschen lieben, mögen, schätzen, aber nur bestimmte Menschen passen an meine Seite.

 

Von meinem Naturell her bin ich ein "suchender" Mensch. Aber seit Dominiks Tod suche ich nicht mehr so sehr wie das früher der Fall war. Seit dieser Erfahrung habe ich ein Gefühl von Angekommen-Sein in mir. Es ist nicht immer gleich stark präsent, aber es gehört nun zu mir. Ich mag dieses Gefühl. Es lässt mich einiges anders sehen als früher.

 

Mein Haus hier in der Bresse bedeutet mir inzwischen sehr viel. Mir scheint, ich habe mir damit etwas erfüllt, was grösser ist als ich selbst - eine Art Meilenstein. Jemand, der an Karma glaubt, würde sagen, es ist Karma. Jemand, der an das Universelle glaubt, würde sagen, Schicksal! Ich finde nicht wirklich die passenden Worte für die Gefühle, die ich habe. Es scheint mir Bestimmung. Und es scheint mir, es fängt erst richtig an; es scheint mir, alles ist möglich und ich bin auf dem richtigen Weg; es scheint mir, ich habe die ersten Schritte getan, der Rest ergibt sich und die Konsequenzen oder Optionen fühlen sich sehr stimmig an. Ich fühle, ich bin auf meinem Weg, auch wenn ich das Ziel nicht kenne. Manchmal empfinde ich Demut angesichts dieses Hauses und dieser Ecke. Ich hier und jetzt! Wie wundervoll! Was könnte es Besseres geben? Ich bin gefordert, zu wissen, dass ich Herrscher meines Universums bin, dass ich es in der Hand habe, verantwortungsvoll mit diesem Geschenk umzugehen und die Konsequenzen zu tragen! Was auch immer gefordert werden mag! Doch da ich mich Eins fühle mit den Dingen, die sind, so werden auch die Dinge, die sein werden, stimmig sein und mich in die richtige Richtung weiterführen. Es ist, wie wenn ich eine Basis geschaffen hätte, oder wie wenn ich ein Soll erfüllt hätte. Alles Weitere wird sich ergeben! Hoppla! Das hört sich jetzt ziemlich heftig an. Aber egal. Diese Seiten, diese Bilanzen sind in erster Linie für mich selbst da. Wer damit etwas anfangen kann, um so besser! Wer nicht, ist auch egal!

 

Es gibt noch so einige Dinge, über die ich mir noch nicht im Klaren bin. Dinge, die immer mal wieder in mein Bewusstsein rutschen ohne dass ich sie umsetze. Ich suche nach einer Umsetzung, die fern der üblichen Regeln bestehen, doch das ist sehr schwierig und erfordert viel Mut! Will sagen, das Leben ist noch lange nicht zu Ende. Es wartet noch so viel auf mich, auf euch! Alles ist möglich! Und niemand hat dazu eine Antwort oder weiss den Weg, nur wir selbst!

 

So, in diesem Sinne wünsche ich allen, die diesen Bericht gelesen haben, viel Kraft und Mut für ihren eigenen Weg und viel Vertrauen in euch selbst!
Nehmt euch die Zeit für euch selbst und für alle jene, die euch brauchen!