Bilanz 2013 - Ein Jahr der helfenden Hände

Es ist bald 17h und es dunkelt ein. D.h. Das Licht draussen wird immer spärlicher, die Konturen ver­lieren sich, und eine Art Magie hüllt alles in Ruhe und Stille. Es wird schnell gehen und alles wird schon bald in Dunkelheit gehüllt sein. Von meinem CD-Player laufen Lieder von einem kirchlichen Chor, die ich sonst nie höre. Aber da mein Player „spinnt“, laufen alle gespeicherten Songs, einer um den anderen ab, und so komme ich wieder mal in den Genuss all meiner gespeicherten Lieder. Dieser Chor bewirkt eine schöne ruhige Stimmung, bestens geeignet für das Aufgleisen der Bilanz. Luke liegt in seinem Körbchen hinter mir, die Katzen von Beate erkunden die Wohnung, meine Kat­zen sind nach Draussen entschwunden, Beate ist bei ihrer Arbeit und wird erst am Abend nach Hau­se kommen, und so habe ich die Musse meine Bilanz 2013 anzugehen.

 

Viel ist geschehen in diesem Jahr. Es war mein erstes Jahr als offiziell Selbständige, das erste Jahr mit drei Objekten (2 Roulottes und die FeWo), mit vielen Helfern, mit der Umstellung meiner Ernäh­rung. Ein Jahr, in dem ich zwei Menschen in „Not“ quasi Unterschlupf geben konnte und das Jahr, in welchem sich auch endlich mein WG-Wunsch erfüllte. Nun geht das Jahr zu Ende und ich blicke zu­rück auf eine ereignisreiche Zeit, die mir trotz all dem Rummel (fast) kein Stress gemacht hat, in der ich viel weniger Druck als auch schon ausgesetzt war. Eine Zeit mit vielen eigentlich fremden Men­schen, die mir halfen und mit denen ich mein Leben ein Stück weit teilen konnte. Sie mit mir und ich mit ihnen. Ein Jahr, in dem ich mir immer sicherer wurde, dass ich die Helfer-Geschichte unbedingt weiterführen möchte.

Maison Libellule als Refugium

Menschen geraten immer wieder in Not. Wir alle. In diesem Jahr hatte ich manchmal das Gefühl, eine Art Refugium zu sein. Nicht nur die Helferinnen, die ihre Auszeit als Zeit des Rückzugs aus ih­rem regulärem Leben nutzten, sich hier offensichtlich erholten, neue Energien tanken konnten und teilweise auch neue Perspektiven für ihr weiteres Leben gewannen. Es waren auch andere Men­schen dabei, denen ich Zeit und einen Platz schenken konnte. Einen Platz zum Sein und um Distanz zu gewinnen und Zeit, um zu sein, zu erzählen, zu reflektieren und sich auszutauschen.

Ich schätze mich sehr privilegiert, Menschen überhaupt diese Zeit widmen zu können. Das Leben bekommt durchaus eine andere zusätzliche Dimension, wenn man Hilfe bekommt und Hilfe geben kann. Es ist dieses Gefühl, was dieses Jahr so besonders prägt: ich habe soviel Hilfe bekommen und konnte aber auch geben. In mir ist ein starkes Gefühl von Zusammenhalt, von Getragen werden durch Freunde und vom Teilen dürfen mit anderen entstanden.

 

Helfer

7 Helferinnen und 1 Helfer. Hilfe über insgesamt 6 ½ Monate, die mir im Grunde fast das ganze Jahr/Saison abgedeckt haben. 8 mir eigentlich fremde Menschen, die mir in Haus und Garten ge­holfen haben, mit denen ich meine Wohnung und meine Welt geteilt habe. Frauen aus der Schweiz und aus Deutschland, meist gestandene Persönlichkeiten über 55 und teils auch einiges älter, die mit viel Lust und Motivation mir zur Hand gingen, die gejätet haben, die Rasenschnitt zusammen gerecht haben, die geputzt und gewischt haben, die sich meine Sorgen und Überlegungen anhör­ten, die aber auch ihre Geschichte mit mir teilten. Es war so ausserordentlich bereichernd! Alle in­teressierten sich auch erstaunlicherweise für die vegane Ernährung, man kochte zusammen und genoss zusammen. Es blieb viel Zeit für gute Gespräche, für Austausch, für Ausflüge, für Freiraum und Eigenständigkeit.

Mein Garten war in diesem Jahr so schön und in „aufgeräumtem“ Zustand, wie nie zuvor. Ganz vie­le Dinge und Projekte wurden fertiggestellt und es blieb ganz viel Zeit für die Gäste und für das ein­fache Sein und Geniessen. Darum hier nochmals – an alle meine HelferInnen – ein riesiges DANKE­SCHÖN! Ich werde auch im nächsten Jahr wieder Helferinnen im Haus haben, und ich freue mich darauf!

 

Wohngemeinschaft

Drei Jahre lang hatte ich nach jemandem gesucht, der hier wohnen und leben wollte und auch konnte. Jemand, der zu diesem grossen Schritt bereit war und bei dem es natürlich auch gegensei­tig passen musste. Da war eine Person, die eigentlich Feuer und Flamme war, bei der ich aber nach dem zweiten Besuch feststellte, dass wir nicht zusammenpassen und dass es nicht gut kommen würde. Eine andere Person, mit der es eigentlich oder vermutlich sehr schön hätte sein können, bei der das „Heu auf der gleichen Bühne lag“, wie man so schön sagt, konnte sich dann doch nicht durchringen, die Sicherheiten der Schweiz aufzugeben. Es hätte für diese Person auch bedeutet, ih­ren Job frühzeitig aufzugeben und damit auf einen Teil ihrer Rente zu verzichten. Und dazu war sie nicht (oder noch nicht) bereit. Die materiellen Zwänge sind halt doch recht stark und ich glaube, es braucht sehr viel Überwindung, diese hinter sich zu lassen, zu vertrauen, darauf, dass sich immer eine Lösung findet. Und diesen Schritt muss man bereit sein zu machen. Es ist natürlich eine sehr individuelle Geschichte und auch viel komplexer, als ich es hier beschreiben will.

Auf alle Fälle zeigt die folgende Geschichte von Beate, dass man durchaus wagemutige Schritte machen kann im Vertrauen auf sich selbst, seine Intuition, in die Welt und auf den eigenen Weg: Beate ist ursprünglich Deutsche und wanderte vor 8 Jahren nach Neukaledonien (Südpazifik, un­weit Australien) aus. Als sie mir schrieb, war ihr Entschluss schon gefällt, Neukaledonien im Herbst zu verlassen und zurück nach Europa zu gehen. Sie wollte ihrer betagten Mutter ein wenig näher sein, sie nicht nur mit viel Reisestrapazen einmal im Jahr sehen. Ausserdem war auch die Aussicht auf die politischen Umbrüche, die sich ab 2014 in diesem Land abzeichnen würden nicht verlo­ckend. Auf alle Fälle suchte sie eine Wohngemeinschaft für sich und ihre drei Katzen in Süddeutsch­land oder Frankreich. Ich machte ihr klar, dass wir uns, bevor wir einen Entscheid fällen, vorher un­verbindlich „beschnuppern“ können müssen. Zwar hatte ich ein gutes Gefühl aus unserem Mailver­kehr, aber es ist doch zu wenig Basis, um sich daraus für ein Zusammenleben auf relativ engem Raum, entscheiden zu können. Irgendwie konnte ich mir ihren Umzug auch gar nicht so richtig vor­stellen. Wie wollte sie dies alles bewerkstelligen, einen ganzen Haushalt, die Katzen!? Aber sie er­klärte mir dann einmal in einem Brief, dass sie, so wie sie in Neukaledonien angekommen sei, näm­lich mit zwei Koffern, dieses Land auch wieder verlassen würde. Das Wichtigste für sie waren ihre Katzen. So wichtig, dass sie ihren ursprünglichen Plan, zuerst hierher zu reisen und die Katzen dann allenfalls nachkommen zu lassen, verwarf und sich entschloss, mit ih­ren Katzen gemeinsam auszu­reisen. Beate fand ein Fünf-Sterne-Hotel für Katzen (Streicheleinheiten inklusive), wo sie ihre Lieb­linge für knapp zwei Wochen bedenkenlos in fremder Obhut lassen konnte. Zu diesem ganzen Expe­riment ergab sich dann auch noch der Umstand, das just in dieser Zeit, in der sie hier ankommen würde, ich meinen 50. Geburtstag mit Freunden und in grösserem Rahmen feiern wollte. Also, sie kam an und wurde gleich ins kalte Wasser geschmissen. Zusammen mit Henny, meiner Freundin aus Portugal bereiteten wir also meine Geburtstagsfeier vor und ich konnte dadurch gut beobach­ten, wie sie mit dieser Situation umging. Es stellte sich heraus, dass sie sehr unkompliziert und of­fen ist. Obwohl wir nicht viel Zeit zum Reden hatten, stand für mich doch fest, dass sie ein sehr fei­ner Mensch ist und ich mich grundsätzlich glücklich schätzen kann, mit so jemanden das Leben hier draussen teilen zu können.

Nachdem der Rummel vorbei war und wir endlich reden konnten, war für mich klar, dass sie ihre Katzen holen sollte und dass wir es als Gesamtpaket versuchen mussten. Nur so würde man her­ausfinden, ob es klappt. Denn es musste ja zwischen uns klappen, aber auch zwischen den Tieren. Tja, und nun, gute 6 Wochen später hat Beate bereits eine Anstellung als Deutschlehrerin in Mâcon gefunden. Ihre Katzen gewöhnen sich immer besser an meine, an Luke, an das Haus und den Garten, und auch meine Katzen haben nach anfänglichen Ängsten ihre innere Ruhe wieder gefunden. Beate hat das grosse mauvefarbige Zimmer, den ehemaligen Salon, mit ihren Katzen bezogen und fühlt sie da sichtlich wohl. Unser Zusammenleben ist sehr schön, entspannt, erfüllt mit vielen guten Gesprächen, guter Zusammenarbeit und überhaupt einem guten Gefühl. Wir haben beide unsere Mütter für Weihnachten im Visier. Sie wird für eine Woche nach Deutschland fliegen und ihre Familie treffen. Und ich werde meine Mutter für diese Zeit hierher holen.

 

So, endlich! Das erweitert den Blick zurück auf das vergangene Jahr und den Blick voraus ins Neue Jahr doch um einiges! Nichtsdestotrotz werde ich weiterhin Helferinnen hierher einladen. Da Beate auf eine Anstellung oder vielmehr dessen Einkommen angewiesen ist, kann ich von ihr gar nicht so viel Hilfe, was den Garten anbelangt, erwarten. Ausserdem war die menschliche Bereicherung durch die Helferinnen so grossartig, dass ich darauf nicht verzichten will. Natürlich habe ich vorher das Einverständnis von Beate eingeholt. Schliesslich muss nun vieles - so wie die Geschichte mit den Helferinnen – auch für sie stimmen.

 

Garten und Tiere

Im Frühjahr 2013 holte ein Fuchs nach und nach meine Hühner. Da ich auf vegan umgestellt hatte und mit darin nach und nach eine andere Einstellung zur Tierhaltung gewann, wollte ich auch nicht sofort wieder neue Hühner dazutun. Das Thema ist aber nicht abgeschlossen und wird vorläufig of­fen bleiben.

 

Meine Katzen lernten in diesem Jahr mit fremden Menschen und Hunden umzugehen, zu unter­scheiden, welchen Hunden sie sich nähern konnten und welchen besser nicht. Sie wurden über­haupt so richtig erwachsen.

 

Luke wird immer grauer und ich spüre manchmal, dass er halt im minimum seine 10 Jahre schon auf dem Buckel hat. Aber er ist nach wie vor gesund und fit. Mit meinen Gästen verhält er sich vor­bildhaft. Er geniesst natürlich alle die Streicheleinheiten und die Aufmerksamkeit, geht sie quasi regelrecht abholen. Und umgekehrt mögen auch die Gäste den Luke sehr, die Kinder lieben ihn so­gar. Er ist mit dabei, wenn es um Spiele geht und mit dabei, wenn es ums Baden geht. Auch mit den Gasthunden ist er ein wahrer Gentleman. Wir hatten nur einmal eine Auseinandersetzung mit ei­nem jungen Rüden, die aber durch ungünstige Umstände provoziert wurde. Natürlich geht es nicht, dass ich Gäste mit unkastrierten Rüden hier habe, die gross und/oder dominant sind. Da ist Ärger vorprogrammiert und ein Urlaub könnte da sehr schnell recht stressig werden.

 

Im frühen Jahr tauchte auch einmal ein kleiner verschnupfter Igel auf, den ich dann in die Wildtier­auffangstation in Lons-le-Saunier brachte.

 

Gegen Ende Sommer erzählten mir Gäste, sie hätten ein grosses Tier im Teich gesehen, so etwas wie eine grosse Ratte. Und irgendwann im Herbst sah ich an einem Abend die Tiere dann selber. Es waren zwei grosse Erwachsene und drei kleine Jungtiere. Sie zerfrassen und zertrampelten mir das schöne Hechtkraut. Ausserdem lagen abgeknickte Rohrkolben überall im Teich. Na ja, es war eine komplette Nutria-Familie. Sie werden auch Sumpfbiber genannt, werden fast so gross wie Biber, haben aber einen dünnen Rattenschwanz. Es sind pflanzenfressende Säugetiere mit so grossen Zähnen, wie der Biber sie hat und darum auch recht beeindruckend anzusehen. Sie sind dämme­rungsaktiv und anfangs konnte ich sie nur mit der Taschenlampe beobachten.

Mittlerweile geniessen die Jungtiere, die schon viel weniger scheu sind als ihre Eltern, die vormit­tägliche Sonne beim Sonnendeck und planschen frisch und fröhlich, auch wenn man sich draussen aufhält und dabei redet. Mir ist klar, dass ich die Tiere nicht einfach lassen machen kann. Spätes­tens auf die neue Saison hin, wenn wieder badende Gäste hier sind, muss ich sie irgendwie losge­worden sein. Wie ich das anstelle ist mir noch schleierhaft, aber ja, kommt Zeit – kommt Rat.

 

Nach wie vor investiere ich viel in den Garten. So kamen wieder einige Ziersträucher dazu, aber auch ein Gemüsegarten in Hochbeeten, Cassispflanzungen, eine Stachelbeere, ein Haselnuss­strauch, ein Ahorn und eine Akazie. Mit Mathilde, meiner liebsten Helferin, habe ich das Brombeer­dickicht an der Südwestseite gerodet. Hervor kam eine uralte Tamariske, ein alter Kirschbaum, Far­ne und diverse andere Ziersträucher. Den maroden Zaun habe ich zusammen mit Benno wieder fit gemacht, so dass Maison Libellule erneut ausbruchssicher ist.

 

Bewusste Ernährung

Angefangen hatte es mit meinem Entscheid, meine Ernährung umzustellen. Ein Jahr zuvor be­schloss ich ja, mich vegetarisch zu ernähren. Dieser Entschluss führte dazu, dass ich mich während des nächsten Winters ganz allgemein mit meiner Ernährung auseinandersetzen wollte. Es begann mit Recherchen im Internet zu den Themen Bio, Ökologisch, Gesund usw. und landete schliesslich auch bei der Ethik. Ernährung ist heute in unserer „luxuriösen“ und „wohl ständigen“ Welt nicht mehr zu trennen von den Themen der Nachhaltigkeit, der Gesundheit und den globalen Auswirkun­gen und Zusammenhängen. Ganz schnell stellte sich eine Art Gefühl von Überforderung ein. Und nicht nur das! So viel an Information, so viele Zusammenhänge! Irgendwann landete ich bei Inter­net-Filmen wie „Earthlings“ und weiteren Beiträgen zur Massentierzucht. Ich las das Buch von Sa­fran Foer „Tiere essen“ und der Drang, meine Ernährung auch hinsichtlich dieser Belange zu ändern wurde immer grösser.

 

Die vegane Ernährung bot sich als erster Schritt in diese Richtung an. Also war mein Entschluss ge­fasst. Ich wollte es, wenigstens für einen Monat, ausprobieren. Mir war bewusst, dass es nicht so ganz einfach werden würde, denn erstens liebe ich Käse über alles, ich mochte Butter und Rahm, und nicht zuletzt lebe ich ja in einer Ecke von Frankreich, in der es ringsherum Bauern hat, die sich traditionell und währschaft ernähren. Ich würde wohl kaum entsprechende Geschäfte und Angebo­te finden. Also bestellte ich eine erste Nahrungsmittelauswahl in einem veganen Internet-Shop in Deutschland um möglichst gute Startbedingungen zu haben. Ausserdem liess ich mir ein Buch mit veganen Rezepten kommen, die mich inspirieren und führen sollten. Und tja, was soll ich sagen, es fühlte sich von Anfang an so gut an, so stimmig, so bereichernd! Vielleicht war es ja einfacher, mich auf dieses „Experiment“ einzulassen, ohne allzu grosse Ablenkungen und Verführungen, vielleicht half auch das wirklich tolle Kochbuch von Attila Hildmann „Vegan for fun“, was mich so überzeugte. Ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass ich so ohne Schwierigkeiten jegliche Tierprodukte aus meinem Speiseplan weglassen konnte, dass ich von Anfang an weder den Käse noch die Butter oder sonst etwas aus der „alten“ Küche vermisste. Hinzu kam, wie schon gesagt, die intensivere Auseinander­setzung mit der Herkunft und dem Inhalt der Lebensmittel. Ich weiss noch gut, wie ich in der ersten Zeit – nun neu auch mit Lesebrille – in den langen Korridoren vom Carrefour stand und Packung um Packung in die Hände genommen habe, das Super kleingedruckte las und eines nach dem anderen wieder ins Gestell zurückgestellt habe. Mittlerweile kann ich etwa einen Drittel der Rayons schlicht auslassen und bei allen anderen gehe ich gezielt in die Ecke, von der ich weiss, dass ich da z.b. den Soyajogurth bekomme.

 

Es war und ist ein „Sich-finden“, ein bewusst Auswählen, ein Entscheid zum Verzicht, aber auch ein Entscheid für neue Horizonte und viel Gewinn. Ein Weg, der ein Prozess ist. Seit einiger Zeit esse ich wieder ab und zu Ziegenkäse. Er bereichert meinen Speiseplan. Aber ich merke, dass ich da, wie auch an einigen anderen Dingen, noch mehr ins Detail muss.

 

Es geht um die Herkunft, um die Vergewisserung, dass die Produkte möglichst aus lokaler Produkti­on stammen, dass man möglichst auch genau weiss, woher dieses Lebensmittel stammt und dass es möglichst unverändert ist. Ach, es ist ein ganzer Rattenschwanz und nicht so einfach abhandel­bar. Aber hier geht es ja um meine Bilanz. Meine Quintessenz ist die, dass bewusste Ernährung eine feine Sache ist, dass es ein Prozess ist, wenn man sich nicht irgendwelchen fremden Dogmen unter­werfen will, und dass ich das bestimmt weiter so führen will. Meine diversen Helfer waren von der veganen Küche sehr beeindruckt und begeistert. Und auch Beate – die zwar auch Käse ist – macht die vegane Ernährung Spass.

 

Soll und Haben

Das aktuelle Buchungsjahr übertraf wiederum das vorhergehende. Ich hatte viele und gute Gäste. Es gibt bei meinen Gästen übrigens alles. Seien es ältere Paare, die kulturelle Ausflüge machen oder einfach nur den Garten geniessen wollen, seien es junge Familien, die mit ihren Kindern Spass am Teich und dem grossen Platzangebot haben, einzelne Frauen, die ihren Aufenthalt nutzen, um Französisch zu lernen oder zu töpfern, einfach alles. Immer wieder ist es spannend und unterhalt­sam. Und immer wieder staune ich, was für tolle Menschen hierher kommen! Menschen, die den Garten schätzen, den weiten Himmel, die Ruhe und wohl auch den „privaten“ Raum. Ich hoffe, ich kann weiterhin auf gute Gäste und zahlreiche Buchungen zählen.

 

Mit dem Entschluss eine zweite Roulotte dazuzutun, war auch klar, dass ich nun vermehrt Hilfe be­nötige. Der Wechsel an einem Tag, d.h. die Verabschiedung von drei Gastfamilien und der erneute Empfang am späteren Nachmittag, das dazwischen putzen und Wäsche machen, war unmöglich ohne Hilfe zu bewältigen. Das war schon im letzten Jahr – trotz Hilfe – immer wieder Stress. Aus­serdem kann ich den Garten nicht dauernd mit Bettwäsche voll hängen. Es hat sich ganz gut erge­ben, dass meine Putzhilfe auch gleich die Wäsche erledigen kann. Es bleibt dann immer noch genug an Bereitstellung zu erledigen, den „gefüllten Kühlschrank“ parat zu machen, auch sonst aufzufül­len, zu flicken, zu ersetzen und zu arrangieren. Meine Selbständigkeit hat zwar ihren Preis, immer­hin muss ich 14% meines Umsatzes an den Staat abliefern, dafür bin ich nun hier in Frankreich krankenversichert. Und das ist doch recht viel wert.

 

Apropos Soll und Haben, eine weitere Investition ins Haus war der Einbau eines grossen und leis­tungsstarken Kamins in die Veranda, mit dem Ziel die Heizkosten zu senken. Das macht die Woh­nung und vor allem die Veranda komplett und perfekt. Es ist ein solcher Genuss, an dunklen und kalten Winterabenden vor dem Kamin zu sitzen, dem Feuer zuzusehen, die Wärme zu spüren und dem Knistern zuzuhören.

 

Persönliche Auszeit

So, dank einer Wohngenossin kann ich nun auch einmal an eine persönliche Auszeit denken. Mein Plan ist es, Ende Februar / Anfangs März für zwei Wochen wegzufahren. Wohin ist noch offen, aber das ist auch gar nicht so wichtig. Hauptsache, ich kann Distanz schaffen und mal etwas anderes um mich herum haben, als immer nur dieses wundervolle Paradies! Nein, im Ernst, meine Helferinnen machen es mir ja vor! Es tut gut, immer mal wieder auf Distanz gehen zu können, die Dinge aus ei­ner Art Vogelperspektive zu betrachten – und auch wenn es nur darum geht, dass man gerne wie­der Nachhause kommt und die „alte“ Geschichte mit neuem Elan weiterführt.

 

Ich wünsche allen solche kleine Inseln, auf welchen ihr auftanken und euch ausruhen könnt, neue Energien schöpfen, euch neu besinnen und ebenfalls mit viel Lust und Freude das Neue Jahr und/oder eine neue Geschichte angehen könnt!

 

Von ganzem Herzen wünsche ich auch euch allen helfende Hände.

Silvana