Bilanz 2015: Ein gutes Jahr - Zeit haben - Altlasten - Authentizität - Tabula Rasa

Oh ja, 2015 war ein gutes Jahr. Nach dem eher schwierigen 2014 brachte 2015 den wohltuenden Ausgleich. Ich werde oft gefragt, wie ich das aushalte, so alleine, so abgeschieden und wie ich all die Aufgaben bewältige. Ich möchte das hier einmal an allererster Stelle ausdrücken und erklären.

 

Grundsätzlich wünsche ich mir natürlich durchaus einen festen Partner an meiner Seite, einen Mitstreiter, mit dem alles harmonisch verläuft und alles viel einfacher ist. Aber – das ist von alleine ganz klar – das ist nicht so einfach, so jemanden zu finden, um nicht zu sagen, ganz und gar unrealistisch. Ich hab schon dermassen viele Frösche geküsst! Nun, so oder so, auf alle Fälle, das ist sicher, ich suche nicht. Denn ich bin ja auch nicht alleine. Nebst den Gästen, die vom Frühling bis in den Herbst hinein Abwechslung und Action in meinen Garten und damit auch in mein Leben bringen, teile ich mein Leben während vielleicht insgesamt 6 Monaten mit meinen Helfersfrauen. Und da auch dies mittlerweile zum grossen Teil „Wiederholungstäterinnen“ sind, ist es beinahe, wie wenn alte Freunde ein paar Wochen hier verbringen, mir helfen und mich entlasten. Und das ist wunderbar. Es ist durchaus schön, zu wissen, wer da kommt (es ist auch spannend, es nicht immer zu wissen). Es ist aber auch einfach viel entspannter für mich. Die Helfer wissen dann schon, was auf sie zukommt, was an Arbeiten zu erledigen sind, wo z.B. die Werkzeuge sind, wie was vonstatten gehen soll usw. Wir kennen uns einfach schon und wissen um die Macken und Seiten des anderen. Nebst der Arbeit bleibt auch immer Zeit, um sich auszutauschen, Ausflüge zu machen, Freunde besuchen zu gehen oder zu empfangen. Es entsteht ein sehr zufriedenes Gefühl, wenn man tagsüber draussen gearbeitet hat und dann am Abend zusammen das Abendessen geniesst, Rückblick hält und müde und zufrieden den Tag abschliessen kann. Teilweise sind daraus tiefe Verbindungen entstanden. Wertvoll und so bereichernd, dass ich es sehr gut aushalte, hier draussen, so ganz alleine. Aber ganz im Ernst, die Zeit, zusammen mit Helfern, ist auch immer intensiv. Ich brauche die Pausen zwischen den einzelnen Helfern für mich, um wieder ganz bei mir anzukommen. Und ich brauche die Winterpause ebenfalls, um wieder Energie aufzutanken. Um mich auch ein wenig hängen zu lassen. Was meine Gäste mir im Sommer vorleben, setze ich im Winter um. Es ist eine winterliche Zurückgezogenheit mit mehr Zeit für meine Freunde hier draussen und eben für mich. Ich ziehe die Ruhe, die Stille, das Alleinsein regelrecht in mich hinein Habe das Gefühl, dass ich es brauche und ohne nicht mehr ohne sein könnte. Es hat für alles seine Zeit und das ist gut so. Ich bin damit sehr einverstanden. Und wenn dann doch eines Tages ein Ritter in weisser Rüstung daher geritten kommt, von seinem schönen Ross heruntersteigt, und sagt: „Holde Frau, mein Leben lang habe ich dich gesucht und nun gefunden!“, dann schaue ich ihn mir bestimmt genauer an! Doch bis dahin halte ich es mit Rilke, der sagt:

 

 

Ich lebe mein Leben in wachsenden Ringen, die sich über die Dinge ziehn.

 Ich werde den letzten vielleicht nicht vollbringen, aber versuchen will ich ihn.

 

Ich kreise um Gott, um den uralten Turm, und ich kreise jahrtausendelang;

und ich weiss noch nicht: bin ich ein Falke, ein Sturm oder ein grosser Gesang.

 

Zeit für die Helferinnen

2015 war das dritte Jahr mit Helferinnen. Inzwischen habe ich mit diversen Erlebnissen und Erfahrungen viel dazu gelernt. Ich habe es in diesem Jahr so eingerichtet, dass die Helferinnen im Schnitt 5/6 Wochen hier sind. Das ist nicht zu kurz und nicht zu lang. Zwischen den einzelnen Einsätzen habe ich mir immer eine Woche „Ruhe“ eingeplant. Im Juni sogar einmal 6 Wochen. Auch das hat gut getan. So viel mir die Helferinnen geben, sei es als konkrete und handfeste Hilfe im Garten oder sei es als persönliche Bereicherung, so sehr fordert es mich auch. In den Pausen zwischen den Helferinnen-Einsätzen realisiere ich immer, wie wertvoll eben auch die stillen und „einsamen“ Zeiten sind.

Der Umgang mit den Helferinnen ist nicht immer einfach. Nicht weil es schwierige Menschen wären! Nein, ganz im Gegenteil – wenigstens meistens, aber die Anforderung, auf die Menschen einzugehen, einen gemeinsamen Rhythmus zu finden und sich manchmal abzugrenzen braucht Kraft. Ausserdem will so etwas auch organisiert sein. Ich muss mir vorher überlegen, welche Arbeiten anstehen, was am dringendsten ist, was wann wo gemacht werden sollte, und nicht zuletzt, was gegessen wird. Wenn ich alleine bin, dann lasse ich mich eher treiben, mache die Arbeiten, die mich gerade anlachen oder von denen ich vorneweg sehe, dass sie getan werden müssen. Auch mit der Küche kann ich es locker handhaben und auch mal nur ein Butterbrot zum Abendessen zu mir nehmen. Oder spontan Freunde besuchen gehen. Wenn Helferinnen hier sind, dann bin ich mehr gefordert, die Arbeiten und die Verpflegung zu organisieren. Ich will ja auf keinen Fall ein durchorganisiertes Schema abspulen, sondern auf die einzelnen Bedürfnisse wenn immer möglich eingehen. Es braucht daher immer ein paar Tage, bis man sich eingefunden hat, bzw. bis sich die Beziehung ein wenig eingespielt hat.

Die Helfergeschichte ist eines der spannendsten Dinge, die ich bis jetzt in meinem Leben erfahren habe. Es ist spannend, fordernd, inspirierend, bereichernd und immer wieder für Überraschungen gut.

Zeit für mich

Die eingeplanten Pausen zwischen den Helfereinsätzen und auch die Winterpause sind für mich sehr ausgleichend. Ich brauche sie, diese Zeit und diese Ruhe. Es ist wie Urlaub. In dieser Zeit arbeite ich auch weniger im Garten, habe dann auch mal Zeit für Dinge, die Muse brauchen. Es geht ein wenig darum, sich mit all der Arbeit nicht zu argen Druck zu machen. Dinge dürfen auch mal liegen bleiben. Die paar Wochen, in denen ich im Sommer alleine hier war, waren eine neue Erfahrung. Es war so trockenes und heisses Wetter, dass man auch gar nicht grossartig arbeiten konnte. Dafür blieb genügend Zeit für das Obst und das Gemüse, d.h. fürs Ablesen, Ernten und Einmachen. Was ich durchaus gerne mache, wenn ich denn eben genügend Zeit habe. Dann fand ich auch endlich einmal die Muse, eine neue Mosaikarbeit anzufangen und weiter auch, um mich einem Bild zu widmen, welches ich schon lange mal angehen wollte. Nicht zuletzt bringen diese zeitlichen Freiräume auch Dinge hervor, die ich sonst in der üblichen Betriebsamkeit schlicht auf die Seite schiebe. Wenn ich viel Zeit habe, wie das beispielsweise im Sommer der Fall war, dann passiert etwas mit mir. Es drängt sich quasi etwas aus mir heraus, was ich nicht sofort klar wahrnehme. Aber im Aussen geschehen dann Dinge, die ich dann nicht mehr ignorieren kann. Sie sind quasi fällig. Und mit genügend Zeit und innerer Aufmerksamkeit „checke“ ich dann, was eigentlich los ist. Ich mag das sehr. Es ist eine Art kreativer Akt, aber auch ein spiritueller. Das Gefühl, mich sehr gut spüren zu können, ist einmalig. Es ist das Gefühl, mit der Welt verbunden zu sein, und mit sich selbst. Mein Fokus ist auf mein innerstes Zentrum gerichtet und gleichzeitig auf alles, was im Aussen geschieht. Ich gehe in Resonanz mit der Welt. Und die Welt mit mir. Das fühlt sich derart gut an! Da kommen Erinnerungen an die Zeit mit Dominik hoch, als er krank war, und wir viel in uns hinein gespürt haben. Es kommen Erinnerungen hoch, an die Zeit, in der ich so lange getragen wurde, von diesen Erlebnissen mit dem Tod, dem Loslassen, dem All-eins-Sein. Auch manche gute Winterzeiten, in denen ich in Muse versuchte einen Überblick zu bekommen, was während dem Jahr eigentlich passiert ist. Das Gefühl, welches ich gerade jetzt habe, ist das stimmigste Gefühl überhaupt. Bei mir sein... nicht im Kopf, sondern in mir drin... und doch auch mit allem verbunden... das ist unbeschreiblich voll, ist ganz und gar und hell und stark.

Ja, Zeit zu haben ist so wertvoll. Auch für Freunde und für die Gäste. Das ist sehr schön. Eigentlich war das von Anfang an meine Idee, Zeit zu haben für mich und die Dinge, die da auf den feineren Ebenen geschehen. 2014 war dermassen voll von Ereignissen und Sorgen, von Verlusten und Mühseligkeiten! Gut, dass ich eingesehen habe, mir diese Zeiten zu nehmen und sie entsprechend einzuplanen.

Der Garten verlangt natürlich immer seine Aufmerksamkeit und Zuwendung. Sich da nicht eintreiben zu lassen ist gar nicht so einfach. Aber es ist auch der entsprechende Ausgleich. Mein Garten hilft mir, mich wieder zu erden und mit meinen Händen mit dem Boden und den Pflanzen in Berührung zu kommen.

Insgesamt ist es in diesem Jahr geglückt. Ich habe mir genügend Freiräume für diese Art von Qualität geschaffen. Ein weiterer Schritt ist für mich, diese „Aufmerksamkeit“ immer öfters zu leben. Teilweise helfen mir dabei meine Helferinnen. Es sind ja meist gestandene Persönlichkeiten, die ihr Leben ganz individuell meistern. Meist sind es auch sogenannte Singles, die ähnliche Erfahrungen mit dem Alleine-leben machen wie ich. Vielfach entsteht eine tiefe Verbundenheit und Freundschaft. Ich empfinde es als ausserordentliches Geschenk und bin dafür sehr dankbar.

Altlasten

Die Altlasten stammen aus dem vorigen Jahr und aus meiner Naivität. Es waren vor allem finanzielle Verluste, die ich abzubuchen hatte. Meine Naivität zu erkennen, die mich in diese Situation gebracht hatte, war aber noch viel schmerzlicher. Ich werde hier nicht erzählen, um wen es sich bei diesen Geschichten handelt. Nur soviel sei gesagt: beides waren Menschen, denen ich vertraut habe. Denen ich entweder Geld überlassen oder die FeWo reserviert gehalten hatte, und die sich dann davon wieder distanziert haben. In beiden Fällen hatte ich nichts Schriftliches und somit dann auch kaum eine Handhabe. In beiden Fällen habe ich darauf vertraut, dass ich das Geld wieder bzw. den Verlust gedeckt bekomme. Doch beide Personen machten sich auf einmal rar. Und von dem Moment an, wo ich darauf bestand, dass die Schuld auszugleichen sei, machten sie mir klar, dass sie dazu nun doch nicht gewillt sind. Tja, nun musste ich einerseits meine Buchhaltung mit diesen Verlusten belasten, und andererseits meiner zu positiven Einschätzung anderer Menschen ins Angesicht schauen. Beides tut weh: Die Euros abzuschreiben ist hart und das Geld fehlt mir definitiv. Aber auch zu erkennen, dass ich ausgenutzt wurde ist hart. Ich habe diese Menschen falsch eingeschätzt. Ich hatte lange Zeit das Gefühl, dass meine Grosszügigkeit und mein Vertrauen arg missbraucht wurden.

Im Grunde will ich mir ja meine Unvoreingenommenheit und Offenheit nicht nehmen lassen. Auch mein Vertrauen in die ausgleichende Gerechtigkeit des Lebens will ich nicht aufs Spiel setzen. Dieses Gefühl des Missbrauchs hat ziemlich lange vorgehalten. Im Laufe des Jahrs hat es sich aber auch wieder beruhigt. Heute denke ich, dass ich etwas gelernt habe. Was? Na, ja, einerseits, dass ich alles, was die Vermietung anbelangt eben auch professioneller angehe. D.h. grundsätzlich schriftlich. Was den anderen „Fall anbelangt, muss ich sagen, dass ich mich im entscheidenden Moment von anderen habe beeinflussen lassen. Ausserdem habe ich es auch da vernachlässigt, die Abmachung schriftlich festzuhalten, was bei solch grossen Summen (1000 Euro) doch angemessen gewesen wäre. Aber ja, was solls. Ich denke auch, dass man nie ganz gefeiht ist davor, Fehler zu machen und dann dafür zu büssen. Wenn ich eine Weile quasi mit Helm, Schild und Schwert dastand, so habe ich dies nun wieder abgelegt. Grundsätzlich ist mein Leben mit ganz viel Vertrauen immer gut verlaufen. Und ich habe vor, dies weiterhin so zu halten.

Authentizität

Ein neues Erleben oder eine neue Einsicht ist in diesem Jahr aufgetaucht. Vermutlich hat es auch damit zu tun, dass ich nun doch schon das 6. Jahr vermiete. Dabei habe ich vieles versucht. Auch einige Überlegungen angestellt, wie ich anders oder besser vermieten könnte. Inzwischen habe ich meine Erfahrungen gemacht und das Gefühl, dass es so, wie es ist, doch recht gut ist. Ich mag diesen kleinen und privaten Rahmen. Und meine Gäste gewöhnlich ebenfalls. Meistens ziehe ich wirklich solche Gäste an, die das schon auf meiner Homepage erkennen und sich genau das auch für ihren Urlaub wünschen. Und ich glaube, wenn sie mich dann kennenlernen und den Garten erleben, dann fühlen sie sich bestärkt in ihrer Wahl, sie sind zufrieden. Und ich selber bin es dann auch. Doch hin und wieder erlebe ich es auch ein wenig anders.

Da war beispielsweise Anfangs Sommer ein Paar, welches mich zuerst sehr verwundert hat, aber das mir letztlich zu einer für mich wichtigen Einsicht verholfen hat. Das, was sich begeben hat, war zwar nicht wirklich weltbewegend, dennoch hat es bei mir Klick gemacht. Folgendes ist passiert: dieses Paar hatte sich auf einmal zurückgezogen. Obwohl wir für einen Aperitif abgemacht hatten, liessen sie sich nicht mehr blicken. Am Abend zuvor noch waren sie voller Elan und Ideen für einen möglichen zukünftigen Event in meinem Garten. Und später eben dann nur noch distanziert. Meine Erklärung für Ihr Verhalten war, dass ich in diesem Gespräch klar ausdrückte, dass ich finde, dass diese Art Event nicht hierhin passt, dass es eher ruhig und privat bleiben soll, und dass ich eigentlich auch keine grosse Lust auf diese Art von Stress hätte. Ich glaube, diese meine Einstellung, die mein Einverständnis und Bewusstsein für das was Maison Libellule ist, ausdrückte, gekoppelt mit dem „Mut“ zur Ehrlichkeit und vielleicht einer für sie unangenehmen Rückmeldung, liess sie derart „im Regen stehen“, dass sie sich nicht mehr mit mir auseinandersetzen wollten, bzw. ihre Energie einfach verpufft ist. Ich weiss nicht, ob ich mich klar genug ausdrücke. Es war einfach so, dass sie ganz anderes im Sinn hatten, als was Maison Libellule in Wirklichkeit ist. Oder was ich hier anstrebe. Nun könnte man ja sagen, jäh nu, sie waren einfach auf einer anderen Wellenlänge. Aber das alleine ist es eben nicht. Wenn ich privat Menschen treffe, die nicht auf meiner Wellenlänge sind, dann suche ich auch keinen vermehrten Kontakt zu ihnen. Aber hier habe ich es mit Gästen zu tun, von denen ich zuerst einmal grundsätzlich erhoffe, dass sie wiederkommen. Und manchmal, wenn es sich eben nicht so ganz stimmig anfühlt, dann bin ich gefordert, mir bewusst zu machen, wie viel und ob überhaupt ich mich verbiegen will. Und dabei spüre ich eben neuerdings, dass ich immer weniger Kompromisse eingehen will.

Tabula rasa

Das obige Thema (Authentizität) beschäftigte mich einige Male in diesem Jahr. Zuerst war es eine unstimmige Bekanntschaft, die ich aufkündigte, dann war diese kleine Geschichte mit den Gästen, und dann war eine ehemalige Helferin, wo das Zusammensein auf einmal spürbar nicht mehr gepasst hat.

In der gleichen Zeit realisierte ich, wie sehr ich im letzten Jahr ausgenutzt wurde (die Altlasten). Vermutlich aus all diesen Begebenheiten heraus entstand bei mir ein Gefühl von „jetzt reicht's“. Aber auch das Bedürfnis nach klaren Verhältnissen wurde immer stärker. Das, was ich schon 2014 gespürt hatte, nämlich das Abgrenzung gefordert ist, als notwendige Massnahme, um sich selbst nicht zu verlieren, das wurde 2015 zu einem starken persönlichen Anliegen.

Ich stellte sogar eine alte Freundschaften auf die Probe. Ich verlieh meiner neuen Einsicht Ausdruck, indem ich ihr schrieb. Ich versuchte es in Worte zu fassen, was gerade bei mir passiert. Leider ist dieser Brief ohne Antwort geblieben.

In einer anderen Freundschaft fühlte ich das gleiche Bedürfnis. Der Wunsch, es auszudrücken, zu formulieren, dass es so nicht stimmig ist. Dieser ausserordentliche Wunsch nach Klärung und Offenheit wurde und wird immer stärker. Mit diesem Menschen glückte es so einigermassen. D.h. Es gab lange „Sendepausen“ und heute ist die Beziehung nicht mehr dieselbe. Wir haben uns voneinander entfernt. Das tut zwar irgendwo auch weh, aber es ist dafür echter.

Ja, ich will weniger Kompromisse, mehr Echtheit. Ich spüre mehr und mehr Mut, zu mir und meinem Stil zu stehen. Und ich habe immer weniger Angst, dass ich dadurch einen echten Verlust erleide. Ich will mehr und mehr nach meinen Werten handeln, auch wenn ich mir dadurch vielleicht Nachteile einhandle. Ich glaube, wenn ich bei mir selber und bei meinen Werten bleibe, gebe ich anderen auch eine Chance, ihre Position zu bestimmen. Entweder man rückt dadurch ein wenig zusammen, oder man bewegt sich auseinander. Und das fühlt sich richtig und gut an. Eben echt und authentisch.

Dieses Gefühl gipfelte dann in einer Begegnung mit einer ebenfalls schon alten Freundin. Auch wenn man im Nachhinein sagen könnte, es war alles nur ein grosses Missverständnis, so war es das wohl einerseits, aber andererseits geschehen solche „Zwischenfälle“ ja nur dann, wenn ein Thema wirklich reif ist. Und das Thema der Abgrenzung, der Echtheit, des Sich-nicht-verbiegen-Wollens war reif! Es verlangte von mir ein klares Nein zu einer bestimmten Situation. Nicht zur Person, aber zu dem, was da mit mir passieren sollte. Dieses Nein verursachte einen grossen Riss in unserer Beziehung. Auch mit viel Reden war dem nicht wirklich beizukommen. Meine Gefühle waren aber auch so sehr in Aufruhr, dass dies wohl gar nicht möglich war. Und bei meinem Gegenüber ganz ähnlich. Nun ist das Thema noch nicht vom Tisch. Die Person lebt leider nicht gerade um die Ecke, so dass man das Gespräch wieder von Angesicht zu Angesicht aufnehmen könnte. Also, wird es noch ein wenig warten, reifen und sich bei nächstbester Gelegenheit wieder auf den Tisch schleichen.

Nun hört sich das vielleicht ein wenig abgeklärt an. In Tat und Wahrheit war und ist es ein Prozess, der nicht immer nur einfach ist. Wenn sich nämlich „auf einmal“ Menschen quasi abwenden, sich distanzieren, oder gar heftige Übergriffe machen, dann ist das immer auch schmerzhaft. Zuerst bin ich meist einfach irritiert, dann realisiere ich, was eigentlich los ist, und dann erst kann ich loslassen. Anfänglich kommt ein uraltes Gefühl hoch. Nämlich das Gefühl des Verlassenwerdens, des Nicht-gewollt-Seins, des Nicht-geliebt-Werdens. Gefühle, die wir doch alle nur zu gut kennen. Ich werde zurückgeworfen auf mich, auf mein Inneres. Wenn ich nicht mit allen „Lieb-Kind“ sein will und bin, dann zeigen mir bestimmte Menschen quasi mein Spiegelbild. Und das ist wirklich nicht so ganz einfach. Ein anderer Aspekt ist auch der, dass ich in solchen Situationen aufpassen muss, nicht zu hart zu werden. Ein erster Reflex will mich nämlich einfach nur beschützen. D.h. die Abgrenzung erfolgt, wenn dies nicht sehr bewusst passiert, auch auf der Gefühlsebene, und ich laufe Gefahr, mich abzuschotten. Ich habe aber realisiert, dass das nicht gut ist. Gerade in solchen Momenten ist es – so meine ich – extrem wichtig, im Herzen offen zu bleiben. Und eben gerade das ist es, was gar nicht so einfach ist. Wie auch immer, ich übe und werde weiterhin üben.

„Wiederholungstäter“

2015 waren fast die Hälfte all meiner Gäste sogenannte „Wiederholungstäter“. So nach und nach wird damit das Unternehmen zu dem, was ich mir gewünscht habe. Wenn Menschen wiederkommen, dann wird das irgendwie familiär. Es ist schön zu erleben, dass Menschen eine Zeit in ihrem Leben wieder hier verbringen wollen. Für mich ist es das schönste Kompliment überhaupt. Es zeigt, dass das Wertvolle, was ich hier empfinde, auch für andere wertvoll ist. Und es bestätigt mich in meinen Bemühungen, einen friedlichen und erholsamen Ort geschaffen zu haben.

Cabane

Geplant war das ja nun eigentlich gar nicht. Obwohl ich durchaus auf der Suche nach einer Lösung für eine weitere Einkunftsquelle war. Die Einnahmen aus den beiden Roulottes und der Ferienwohnung reichen nicht, um davon leben zu können. Mit einem weiteren Mietobjekt jedoch würde es möglich werden. Nur der Ausbau im Estrich für eine zusätzliche kleine Wohnung wäre extrem teuer geworden, bzw. nur mit einem Bankkredit möglich. Eine dritte Roulotte hätte ebenfalls meine finanziellen Möglichkeiten überschritten. Der Plan war, gegen Ende Jahr bei der Bank vorzusprechen.

Dass das Mobilhome von Alain, meinem Nachbarn, zum Verkauf steht, wusste ich schon. Aber erst als ich sie in diesem Sommer sah, so ganz freigeräumt, da er mittlerweile in sein neues Haus umgezogen war, fing sie an, mir zu gefallen. Zeitgleich interessierte sich ein Paar für die Ganzjahresmiete der Ferienwohnung. Leider wird sie unerschwinglich, wenn ich sie ganzjährig vermieten will. Die Idee, den beiden ein Mobilhome anbieten zu können, drängte sich förmlich auf. Zuerst konnte ich ihnen ein paar Bilder zeigen. Doch schon bald radelten sie mit ihren Fahrrädern zu Alain und besichtigten die Cabane vor Ort. Ich weiss nicht, wer mehr Freude empfand. Die beiden waren auf alle Fälle ganz aus dem Häuschen und es war eine echte Wonne ihnen bei ihrer Freude zuzusehen! Die Lösung ist perfekt! Mit den beiden habe ich ganz herzliche, nette Menschen als regelmässig wiederkehrende Gäste. Und ich habe eine zusätzliche Einkunft, die es mir endlich ermöglichen sollte, aus den roten Zahlen herauszukommen. Bestimmt nicht sofort, aber in ein paar Jahren, inshallah.

Shop - Atelier

Im Frühling entstand die Idee eines kleinen Verkaufsladens. All die selbstgemachte Konfitüre, die Sirups, der Honig, der Wein, die Teigwaren von Beatrice Hof, auch die Kaffeekapseln und sonst noch vieles mehr nahmen im Treppenhaus zu viel Platz ein. Und auch meine Gäste aus den Roulottes fanden nicht immer den Weg dorthin. Also richtete ich zusammen mit Regine zwei Gestelle ein, wo wir alles hübsch präsentieren konnten. Die Abrechnung erfolgt auf Vertrauensbasis. Das heisst, ich bin darauf angewiesen, dass mir die Gäste alles deklarieren, was sie vom Shop genommen haben. Das klappt leider nicht immer. Und nur wenn schon ein einziger es mal „vergisst“, etwas anzugeben, dann wird es ganz schnell ein Verlustgeschäft. Aber im Grunde ist das nicht sehr schlimm. Die Freude, Gutes anbieten zu können, überwiegt das andere.

Aus dieser Idee heraus begannen dann sogleich die Phantasien sich auszutoben. Ein Café, gekoppelt mit dem „Laden“, ein Aufenthaltsraum, für Gäste, für mehr...usw! Aber wie, wo?

O.k. Der ehemalige Stall ist vor allem ein Lagerraum. Alles, was nicht draussen stehen soll, kommt hier hinein. Da er aber nach oben und auf die Seite hin offen ist, ziehen die Winde ungehindert hindurch und es ist ein ungemütlicher Ort. Nun habe ich ihn im Spätherbst unterteilen lassen. Es gibt jetzt einen separaten Raum, der natürlich auch eine Decke bekommen hat, der ganz viel Platz und Möglichkeiten bietet. Alle Bücher, DVDs, Spiele, die Bastelsachen, aber auch der „Shop“ mit seinen vielen Leckereien bekommen hier ihren Platz. Und dann mal sehen, was weiter daraus entsteht....!

Gemüsegarten – Permakultur

Was im letzten Herbst (2014) mit Hilfe von Andrea und Zora entstand, nämlich ein Hügelbeet nach Permakultur-Vorgaben, erwies sich in diesem Jahr als gelungenes Projekt. Das Gemüse gedeiht bestens, alles kunterbunt durcheinander, aber fast alles wächst stark und gut. Ich staune einfach nur! Der einzige Nachteil scheint im Moment, dass sich offensichtlich Mäuse in der lockeren Hügelerde, welche auf Hölzern gebettet liegt, super wohl fühlen. Die eine und andere Pflanze wurde einfach von unten her weg geknabbert. Aber ich denke, mit der Zeit wird sich das legen.

Im Laufe des Sommers habe ich das Hügelbeet um einen runden Hügel in der Mitte erweitert. Das Rasenmähen im Halbkreis des Hügelbeets war nämlich sehr unpraktisch. Mit dem zusätzlichen Beet ist das Ganze nun eine runde Sache geworden und ich kann nun mit dem Rasenmäher einfach einmal ringsherum.

Teich

Im letzten Winter koppelte ich meine Wasserpumpe, die das Ziehbrunnenwasser in den Teich leitet, vom Strom ab. Ich hatte Stromkosten, die jenseits von Gut und Böse waren. Da mein Lieferant ein Rückenleiden hatte, zögerte sich der Ersatz der Pumpe bis zum späten Frühling hinaus. Ergebnis? Der Wasserpegel meines Teiches ist auf einen noch nie dagewesenen Tiefstand gefallen. Natürlich war auch die extreme Trockenheit mitschuldig. So wenig Meteowasser gab es, glaub ich, noch gar nie, seit ich hier bin. Sogar meine eine Linde bekam gelbe Blätter. Diesen Wasserverlust konnte ich im Sommer natürlich nicht mehr wettmachen. Das ganze Jahr über blieb es trocken, bis jetzt, Ende Jahr. Und es ist noch immer kein grosser Regen in Aussicht!

Da ich nun auch keine Nutrias mehr habe, machte sich die Wasserpest (eine eigentlich gute Wasserpflanze, die hilft, das Wasser zu reinigen und klar zu halten) breit. Das nahm in diesem Frühling Ausmasse an, die nicht mehr tragbar waren. Wir räumten zwar ganz viel davon raus, aber sie wuchs so schnell wieder nach, dass ich mir einfach eine andere Lösung einfallen lassen musste.

Ich recherchierte im Internet, was man dagegen tun kann, und stiess auf Graskarpfen. Zeitgleich teilten mir Gäste mit, dass sie in Südfrankreich solche Fische in einem Teich angetroffen hätten und die Besitzer eben genau das gleiche Problem mit übermässigem Pflanzenwuchs hatten.

Nun, ich fand Graskarpfen. Die ersten drei brachte ich von einem Ausflug in einen „Wasserpark“ im Süden mit. Gäste brachten mir dann nochmals vier vom gleichen Ort mit. Diese sieben waren aber noch recht klein (ca. 15cm). Es sind Albinos, das heisst, sie sind orangefarben und leicht auszumachen im Teich. Dann entdeckte ich in einem Gartencenter in Louhans normale, grau farbige Graskarpfen, aber grössere (ca. 30cm). Ich kaufte zwei und setzte sie ebenfalls aus. So schwammen im Sommer 9 „Carpe d'Amur“ in meinem Teich, mit dem Auftrag, die Wasserpest wegzuputzen. Graskarpfen sind keine eigentlichen Karpfen. Sie gründeln nicht, sondern bewegen sich eher an der Wasseroberfläche. Sie suchen nicht am Boden nach Futter, sondern ernähren sich ausschliesslich von Grünzeug. Sie sind Vegetarier. Ausserdem vermehren sie sich nicht unkontrolliert, da die Fischeier eine Wassertemperatur von über 25° - und das über einige Tage - benötigen, um sich entwickeln zu können.

Sie sind herrlich gewachsen (ca. 40/50cm sind sie jetzt) und haben gute Arbeit geleistet. Die Wasserpest ist zwar nicht komplett weg, was ja auch gut ist, aber die Fische waren immer fleissig am Fressen. Ausserdem war es lustig, mit ihnen zu schwimmen. Sie sind nicht zu scheu und man kommt bis auf einen halben Meter an sie ran. Auf alle Fälle bin ich super froh, dass sich die Idee bis jetzt als geglückt erweist. Ich hoffe, es bleibt so. Denn alleine, und auch mit Helfern, würde ich das Ausräumen der Wasserpest nicht mehr schaffen.

Vegan – Nicht-vegan

Zu den 6 Hühnern sind nun noch diese 9 Fische gekommen. Ich halte also Tiere zu meinem Nutzen. Angefangen mit meinem Hund, dann den 2 Katzen sind es mittlerweile 18 Tiere, die ich bewusst halte, ernähre bzw. ihnen die Grundlage dafür schaffe und pflege. Jeder Veganer würde klar sagen, dass das nicht mehr vegan ist. Ist es auch nicht. Vegan bedeutet Verzicht auf die Nutzung von Tieren. Darum ist wohl auch bei mir das ganze Konzept auseinandergebrochen. Es gab sogar mal jemand, der fand, die Fische gehören nicht hierher. Was stimmt. Es sind ursprünglich Chinesen. Warum mach ich es also trotzdem? Tja, weil ich – was die Fische anbelangt – mir und den Gästen ermöglichen will, im Teich zu schwimmen. Ich müsste ja den Teich nicht freiräumen. Für die Tier- und Pflanzenwelt im Teich würde sich das von alleine irgendwie erledigen. Ich müsste auch die Rohrkolben nicht zurückschneiden. Sie würden einfach weiterwachsen und den Teich immer mehr vereinnahmen. Ich bin also gefordert, von dem Moment an, wo ich einen Schwimmteich angelegt habe, einzugreifen. Ich muss ihn pflegen, dass er so bleibt wie er ist oder noch schöner wird. Ich habe aber auch ein Biotop geschaffen. Es ist ein Raum, welcher vielen Tieren einen Platz bietet, wo sie leben und sich vermehren können. In meinen Augen ist es demnach ein Geben und Nehmen. Die Fische haben darin ebenfalls ihre Rolle. Sie dienen mir und ich verschaffe ihnen gutes Wasser, Futter und die Abwesenheit von Anglern.

Natürlich gibt es hier jede Menge Einwände. Und ich verstehe diese Argumente auch, ich bin sogar grundsätzlich derselben Meinung. Allerdings unterscheide ich zwischen grossangelegten Aktionen und dem Akt von einzelnen Kleinen. Als Beispiel gilt für mich der Bauer. Ist der Bauer ein Kleinunternehmen, das vor allem sich selbst versorgt und für den Erhalt seiner Existenz sorgt, der so gut es ihm möglich ist, diese kleine Welt intakt hält und dafür besorgt ist, dass es auch noch lange so sein wird, dann ist das etwas ganz anderes, als der Bauer, der so gross ist, dass er den einzelnen Wesen und der ganzen Umgebung, die er sein eigen nennt, nicht mehr gerecht werden kann, bzw. nur mit Einsatz von Mitteln, die den Tieren, den Pflanzen, dem Boden und nicht zuletzt dem Menschen schaden. Also steht in meinen Augen die Grösse und damit die Qualität im Vordergrund.

So, das war ein Versuch, mein nicht-veganes Tun zu rechtfertigen. Ich habe dies bewusst getan. Ich muss mich nicht gegenüber anderen rechtfertigen. Aber ich muss es für mich selber tun. Ich will mit mir selber im Reinen sein. Und dies sind meine Überlegungen. Vielleicht bin ich falsch oder blind, ich weiss es nicht absolut. Aber ich habe einen Instinkt und diesem vertraue ich. Ich lebe mein Leben abseits der grossen Wege. Es ist meine Entscheidung, meine Verantwortung. Ich kann die Welt im Grossen nicht retten. Ich versuche sie einfach im Kleinen zu pflegen.

Quintessenz

Entscheidungen sind Samen, die aufgehen. Es ist ein spannender Prozess. Nicht immer einfach und schmerzfrei, aber stark und echt und daher wertvoll. Es fühlt sich gut an, auf diesem Weg zu sein. Er macht Hoffnung auf ein Weitergehen-Können, auf eine Zukunft, die sich lohnenswert anfühlt – trotz allem. Ich bin zwar alleine, aber fühle mich nicht einsam. Ich habe Menschen um mich herum, mit denen ich mein Leben teile. Es ist nicht meine Familie, es ist auch nicht mein Partner, aber es ist eine Ansammlung von Menschen, die ich sehr schätze und die mich schätzen.

Ich lebe an einem Ort, den ich gewählt habe, wo ich mich Zuhause fühle, wo ich Teil des Ganzen bin, wo ich mich einbringen kann und meine Aufgaben habe, wo ich diese auch leben kann. Ich fühle mich dadurch so reich und ich bin dankbar dafür.

Ich empfinde das Leben mehr und mehr als ein Prozess, als ein Abenteuer auf dem Weg zu einem besseren Verständnis für sich, für die Menschen und die Welt. Meine Ängste werden mir immer bewusster, der Umgang damit einfacher.

Heute ist es soweit. Ich habe mir eine Existenz aufgebaut. Die Basis ist geschaffen. Bestimmt wird es nicht immer gleichbleibend sein. Ich bin und werde immer abhängig davon sein, ob Gäste kommen und ob genügend. Aber ich empfinde es manchmal schon als Wunder, dass das Unternehmen „Maison Libellule“ geglückt ist. Von Anfang an. Es war und ist ein beständiges Wachsen und Werden. Und um den Bogen zum vorigen Absatz zu spannen: es soll nun auch nicht mehr grösser werden. Mit der Cabane ist das letzte Teilstück in diesem Arrangement „eingezogen“. Obwohl ich mich anfangs gegen die Vorstellung eines weiteren Mietobjekts gesperrt habe, war es unumgänglich, um mir die Existenz zu sichern. Diese Voraussetzung ist jetzt geschaffen. Nun darf es einfach noch in der Art und der Qualität weiter wachsen.

Ein glückliches Neues Jahr

wünsche ich allen meinen Newslesern, den Besuchern meiner Homepage, meinen Freunden, Helfern und Gästen von Maison Libellule. Ich wünsche euch Glück , Gesundheit und Segen. Ich wünsche euch bereichernde und inspirierende Begegnungen, und ich wünsche euch Mut und Kraft und Zuversicht für das Neue Jahr.

 

Silvana