Newsletter Oktober

++ Mars-Attack + Demontage + Werwolfgeheul ++

Liebe Freunde, Gäste, Besucher und Newsletter-Interessierte

Wenn ich meinen Notizzettel anschaue, wo ich alle die Aktivitäten festgehalten habe, die so während eines Monats passsieren, was wir alles erledigt haben, dann denke ich, oh, Mann, haben wir wieder viel bewältigt! Und dabei vergesse ich sowieso all die kleinen, alltäglichen Dinge oder auch das eine und andere Grossartige.
 
Nun, Anfangs Oktober haben Angela und ich das Plastik-Wellblech-Dach auf die Pergola der Cabane montiert. Eine mühselige Arbeit, wozu auch der Gestank dieses Plastikmaterials beigetragen hat. An zwei Tagen haben wir uns abegemüht, geflucht, Leiterchen hoch, Leiterchen runter, und dann aber doch geschafft! 
Die Cabane hat ausserdem zwei Stöcke wilden Wein bekommen. Die werden das Blechhaus in wenigen Jahren ziemlich eingegrünt haben.
Leider hatte ich mir eine Erkältung eingefangen, die mich mehr oder weniger den ganzen Oktober geplagt hat. Aber was soll’s, wenn man fällig ist, ist man fällig. Ich glaube, es ist auch verbunden mit der Tatsache, dass so einiges an Anspannung von mir weggefallen ist, nachdem ich wusste, dass Annette definitiv kommen wird, und ich damit jemanden an meiner Seite habe, der mitmacht, mitdenkt, mitentscheidet.
 
Eines morgens hörte ich Entengeschnatter. Zuerst eine, dann zwei, dann drei Enten, schwammen auf dem Teich umher, schwatzten, schnatterten und frassen lustig von den verwelkenden Seerosen.
 
Angela, meine Herbst-Helferin, die in diesem Jahr nun zum dritten Mal hier ist, kam Anfang Monat und bleibt für zwei Monate. Wir werden – wie immer – den grossen Teichrückschnitt angehen. Allerdings werden wir im November Hilfe von Thomas, einem Freund von ihr, bekommen. Wir besorgen ihm schon mal Gummistiefel in Grösse 45... so grosse Helferfüsse hatte ich bis anhin noch nicht hier.  
 
Auf einem Flohmarkt finde ich einen hübschen alten Briefkasten aus Eisen. Er findet seinen Platz vor dem Eingang zum Hühnerareal. Schrott! Wie ich ihn liebe! Endlich habe ich auch einen Schrotthändler in Louhans ausgemacht, wo man Alteisen zum Kilopreis kaufen kann. Ein paar Sachen habe ich da schon gefunden. Aber eigentlich bräuchte man einen Kran, einen Lastwagen usw. Es hat so starke Sachen da liegen, aber halt ebenso schwer!
 
Im Oktober ist nun endlich auch die Bewilligung für die Cabane da. Und das nach fast einem Jahr! Trotzdem, besser spät als gar nie.
 
Die beiden Schafe – Emil und Oskar – die seit dem Juli auf dem Grundstück weiden, haben immer mal wieder Durchall. Sie haben auch abgenommen, was mir nun doch spanisch vorkommt! Obwohl sie supergrosse Rationen an Trockenfutter bekommen und zusätzliche neue Weidefläche. Im nachhinein erklärt sich das alles durch den Krankheitsbefall mit Leberegeln. Auf alle Fälle sind sie nun wieder bei Béatrice, von wo ich sie leihweise auch hatte.
 
Mitte Oktober kommen Peter, Andrea und Zora mit ihrer neuen Hündin Luna. Sie kommen, wie später auch Willi und Marlen, mit dem Wohnmobil. Auf meinem Parkplatz stehen nun zwei Wohnmobile und ein Bus. Es schaut aus wie ein Stellplatz.
Wir haben eine lustige und schöne Zeit zusammen. Gemeinsam schaffen wir es auch, das Garagentor abzuhängen. Es ist so gross, dass wir es beim Runterhieven sichern müssen. Es gibt auch so einen Moment, wo das Tor einem Dachpfeiler gefährlich nahe kommt. Es hat sich gelohnt, dass wir vorher lange darüber geredet haben, wie wir es hinkriegen, ohne dass jemand erschlagen wird oder eben das Dach zusammenbricht. Wir kriegen es hin und stellen es an die Wand in die Garage. Man weiss ja nie! Aber nun ist sie endlich weg und ein erster Schritt zur Aussenküche ist getan! Auch die zwei “moule” Kamin-Holz sind mit ihrer Hilfe schnell verräumt. Der Winter kann kommen! Am Abend werden wir jeweils zu Werwölfen und Bürgern. Ein lustiges Spiel von Angela, was nur in einer grossen Runde zu spielen ist, beschert uns superlustige Abende.

 

Fototagebuch Oktober

 

Angela und ich fangen schon mal mit dem Teichrückschnitt am vorderen kleinen Teich an. Ich beschliesse, dass wir nur den Rand freilegen. Die restlichen Rohrkolben lassen wir stehen. Die Idee ist, dass der Teich langsam aber sicher verlanden soll. Das heisst, er soll nach und nach wieder zu festem Boden werden. Dieser kleine Teich ist dermassen schnell zugewachsen, dass er eigentlich nicht mehr wirklich schön ist. Ausserdem habe ich genug Biotop mit dem grossen Schwimmteich. Aber nun kann ich halt nicht einfach zuschaufeln, denn es leben ja viele Tiere darin. Also wird es eine Lösung brauchen, die es zulässt, dass die Tiere langsam, aber sicher, abwandern können.

Gegen Ende dses Monat kriegen wir Besuch ausserirdischer Art. Eine Interessentin für die Lebensgemeinschaft Libellule, nennen wir sie mal ET, hatte sich gemeldet und ihr Interesse kund getan. Bei einem ersten Telefongespräch erzählte ET aber gleich von ihrem wichtigsten Anliegen, nämlich dem “sich-selber-heilen-können”. Auch, dass sie eine Krankenkasse für überflüssig halte. Da sie stolze 78 ist, war das doch recht eindrücklich. Aber ja, da draussen im grossen weiten All ist doch wohl allerhand möglich. Trotz dieser doch etwas schrägen Aussagen wirkte sie sympathisch und herzlich auf mich und ich nannte ihr einen möglichen Termin für einen Besuch vor Ort. Diverse Unterredungen mit Annette und Angela liessen aber einige Fragen aufkommen, und ich schrieb ihr ein Mail, um nachzufragen, wie das denn nun genau mit der Krankenkasse gemeint war – im nachhinein war ich mir da nicht mehr sicher, wie dies nun genau auf ihrem Heimatstern war. Auf diese Anfrage erhielt ich keine Antwort, aber dafür einen Anruf vom Bahnhof, wo sie sich noch einmal nach dem Zielbahnhof erkundigte. Das Telefonat war undeutlich und gestresst, da ET am Bahnschalter stand. Nun gut, wir wussten, ET kommt uns besuchen. 
Als wir sie am Bahnhof abholten stand uns da eine doch recht fitte, grosse und schöne Frau gegenüber. Am gemeinsamen Abendessentisch nun erzählte sie uns von sich. Ihre Botschaften waren klar und eindeutig. Das Gespräch aber sehr einseitig. Denn sie redete und redete.... oder wohl besser gesagt, sie verkündete und verkündete. Meine Frage bei unserem ersten Telefongespräch, ob sie denn missioniere mit ihrem Anliegen, verneinte sie ganz klar. Nun aber, endlich am runden Tisch, umgeben von zwei terrestrischen Zuhörern mit grossen Ohren, gab es für unsere Ansichten oder für andere Themen einfach keinen Platz mehr. Sie war sehr Raum einnehmend und der Verdacht, dass da quasi eine Mars-Attack oder Offensive der ausserirdischen Art im Gange war, machte sich breit. Wir gingen platt und müde ins Bett. Am anderen Morgen meinte sie, es wäre doch nicht der richtige Platz für sie. Wahrscheinlich war ihre Mission beendet, der “Feind” begutachtet, für nicht relevant und lohnend betrachtet, und als erledigt abgebucht. Mich hätten diese extraterrestrischen Ansichten eigentlich schon interessiert, und ich hätte ihr noch ein wenig mehr Zeit gegeben, um die Offensive vielleicht in eine friedliche Mission umzuwandeln. Aber ich war dann noch instinktiv schneller am PC, um zu schauen, wann der nächste Zug geht, als dass ich mich dagegen gewehrt hätte. Als ich auf der Fahrt zum Bahnhof dann mal festhielt, dass ich die Kommunikation doch sehr einseitig fand, und dass ich es schätze, wenn die Kräfte beim Reden ausgewogen sind, meinte sie, “Ja, da hast du Recht, das muss ich noch lernen, in die Balance zu kommen”, und schwatzte dann aber munter weiter bis zum Bahnhof. Das i-Tüpfelchen war dann noch die Aussagen, dass irgendwelche Mächte diese Kondensstreifen von den Flugzeugen, dazu benutzten, um die Sonne zu verdunkeln. Na, ja, sie muss es ja wissen, als ET!

 

Sie gab uns Stoff für einige Tage, die liebe ET. Man ist versucht, eine Moral der Geschichte zu finden, muss sich aber eingestehen, dass man nicht alle Fäden in Fingern hält. Und gegen offensichtliche Lügen und Missionierungseifer ist man nur bedingt gefeiht. Verstehen ist da schwierig. Die grosse Frage, wieso so jemand, der auf einem derart einzelkämpferischen Vereinnahmungspfad ist, sich in eine Gemeinschaft einbringen will, bleibt unbeantwortet. ETs Vorstellung, dass in letzter Konsequenz, wir sie, sollte es ihr dann trotz ausserirdischer Fähigkeiten, sehr schlecht gehen, einfach liegen lassen sollten, konnten wir uns zwar vorstellen. Sie hingegen begriff nicht, dass dies uns moralisch, gemeinschaftlich, gesetzlich und auch praktisch in arge Bedrängnis bringen würde. Unser Problem! Ok. Ich hoffe einfach, dass wir nie von ETs von solch einem Stern überfallen werden!

 

Liebe Newsletter-Leser, der heutige Tag ist ein sonniger und prachtvoller, bunter Herbsttag. Meine Helfer sind fleissig am Schnip-Schnappen, während sie mir es erlauben, den Newsletter auszufeilen und mit meinen obigen Worten auch ETs Erscheinung zu verdauen. Ich hoffe, sie hat euch gefallen. Humor ist eine gute Möglichkeit, um über Dinge hinwegzukommen, die einen kurzfristig überfordern. Darum, mit dieser Geschichte ist die Kolumne “Libellengeflüster” geboren. Sie wird bestimmt heilsames Ventil für uns, und euch hoffentlich ein Schnunzeln ins Gesicht zaubern.

 

Umarm euch alle ganz herzlich
Silvana & Co.